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Gleiwitz PDF Drukuj

Gleiwitz (poln. Gliwice)


Autobahnabfahrt Nr. 305: Kędzierzyn Koźle/ Gliwice (eine von mehreren Möglichkeiten) und weiter Straße Nr. 408 in das Zentrum von Gleiwitz.


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Gleiwitz liegt im westlichen Teil der Wojewodschaft Schlesien, am Fluss Klodnitz. Erstmals erwähnt wird die Stadt im Jahre 1276, es wird von einer an dieser Stelle existierenden Stadt gesprochen. Das genaue Datum der Stadtrechtsverleihung ist nicht bekannt, es könnte etwa um das Jahr 1250 gewesen sein. Im 14. Jahrhundert wurde die Festungsstadt Gleiwitz von Siemowit regiert, welcher sich der Fürst von Gleiwitz nannte.




Das Gebiet war damals bekannt für seine Fischzucht, seine Müllerei und seinen Hopfenanbau, der die Produktion und den Verkauf von Bier ermöglichte. Die verhältnismäßig friedlichen und wirtschaftlich glücklichen Zeiten wurden vom Einfall der Hussiten unterbrochen. Nachdem die Stadt geplündert und niedergebrannt wurde, machten sie sie zum Zentrum ihrer Bewegung. Die Situation änderte sich erst im Jahre 1431, als Sigismund Korybut, der Anführer der Hussiten nach Krakau ging, um an theologischen Debatten teilzunehmen. Konrad VII. von Oels nutzte dessen Abwesenheit, um mit einer List die Stadt Gleiwitz in seinen Besitz zu bringen. Nach dem Tod des letzten Herrschers aus dem Geschlecht der Piasten im Jahre 1370, kam die Stadt in die Hände der Habsburger. Es war die Zeit religiöser Reformation und die Martin Luthers. Gleiwitz bekam ein neues Gesicht: Die Mauerbefestigungsanlagen wichen Gärten, die Stadt versank im Grün. Der teure Krieg der Habsburger mit den Türken brachte die damaligen Herrscher in Geldnot. In der zweiten Hälfte des 16 Jahrhunderts wurde Gleiwitz an Friedrich Zettritz in Pacht gegeben. 1596 konnte die Stadtverwaltung ihre Stadt für 27.000 Taler kaufen. So erhielten die Stadt Gleiwitz und ihre Ländereien den Status einer königlichen Freistadt. In den Jahren 1740-1763 fanden die Schlesischen Kriege statt, eine Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich um die Provinz Schlesien. Die Zeiten unter den Preußen begünstigten den Beginn des Kapitalismus. Man erweiterte die Vorstädte und baute dort Hüttensiedlungen. Das Netz der Berg- und Hüttenämter wurde ausgedehnt aus. Handelswege und Transportmittel wurden ausgebaut und modernisiert. Um den den Flusstransport der Kohle aus den örtlichen Bergwerken zu sichern und um die Stadt vor lästigen, regelmäßigen Überschwemmungen zu schützen, begann man mit dem Bau des Klodnitzer Kanals. Der Bau des Kanals dauerte von 1792 bis 1822. Die Berliner Unternehmer importierten lieber Kohle aus Gleiwitz als aus England, da diese sich als günstiger erwies.

Im Jahre 1796 eröffnete man eine Eisenhütte in Gleiwitz, die in ganz Europa berühmt wurde. Sie wurde nicht nur durch die künstlerischen Abgüsse, die dort gefertigt wurden, bekannt, sondern auch aufgrund der Rüstungsproduktion. Ein sehr wichtiges Ereignis in der Geschichte der Stadt war der Bau der Eisenbahnlinie von Breslau nach Gleiwitz im Jahre 1845. Drei Jahre später verlängerte man sie bis nach Myslowitz. Während des ersten Weltkriegs wurde die Gleiwitzer Wirtschaft den Bedürfnissen der Rüstungsproduktion angepasst. Dies führte zur Schließung einiger Industriebetriebe. Die Jahre 1919-1921 waren geprägt von den Schlesischen Aufständen und den Volksabstimmungen über die nationale Zugehörigkeit. Die Gleiwitzer mussten entscheiden ob sie zu Polen oder Deutschland [bzw. Preußen] gehören wollten. Eine deutliche Mehrheit der Bewohner der Stadt sprach sich für eine Zugehörigkeit zu Deutschland aus. 1922 wurde das Gebiet Oberschlesiens zwischen zwei Staaten aufgeteilt. Im Jahre 1928 baute man in der Innenstadt ein modernes Hotel, das Haus Oberschlesien, welches heute der Sitz der Stadtverwaltung ist. Zur Zeit des zweiten Weltkriegs wurde die Stadt wieder zu einem aktiven Zentrum der Rüstungsproduktion. In Gleiwitz entstanden vier Nebenlager des Konzentrationslagers Auschwitz. Sie waren die Grundlage für die billigen Arbeitskräfte der Gleiwitzer Industriebetriebe. Im Jahre 1945 zog die Rote Armee in die Stadt ein. Die sowjetischen Soldaten richteten schwere Schäden an, u.a. wurde das Theater Victoria niedergebrannt. Nach dem Krieg wurde die Stadt zu einem wichtigen Wirtschafts- und Wissenschaftszentrum. Man rief die Schlesische Technische Universität [poln. Politechnika Śląska] ins Leben. Es entstanden zahlreiche Ingenieurbüros und Chemiefabriken. Nach dem Systemwechsel 1989, bildete man im Jahr 1992 eine neue Diözese der römisch-katholischen Kirche mit dem Sitz in Gleiwitz.

 

Besonders sehenswert:


Das Symbol der Stadt ist der 111 Meter hohe, hölzerne Sendeturm der Radiostation in Gleiwitz. Der Turm ist eines der charakteristischsten Bauwerke Oberschlesiens. Er ist Teil des, in der Hälfte der 1930er Jahre gebauten, Komplexes des Rundfunksenders. Außer dem Sendeturm und dem Rundfunksender, gehören zu dem Komplex noch zwei Wohngebäude, die ursprünglich für die Mitarbeiter des Senders bestimmt waren. Der Sendeturm ist derzeit das höchste Holzbauwerk der Welt. Er ist aus Lärchenholz gebaut, das besonders widerstandsfähig gegen Schädlinge und Witterungsverhältnisse ist. Die Holzkonstruktion wird von über 16.000 Messingschrauben zusammen gehalten. Dank der sorgfältigen Konservierung könnte der Turm, Wissenschaftlern zufolge, noch viele Jahre ungefährdet stehen. Der Turm ist noch immer funktionsfähig. Derzeit trägt er mehrere Dutzend Antennen, die u.a. die Schlesischen Metropolen-Netzwerke, das Rettungszentrum Gleiwitz, die Mobilfunknetze und die drahtlose Internetübertragung bedienen. In der Abenddämmerung sieht der Turm besonders eindrucksvoll aus. Der von acht Scheinwerfern beleuchtete Turm ist schon aus vielen Kilometern Entfernung sichtbar. Der erste oberschlesische Radiosender entstand im Jahre 1925 in Gleiwitz an der Raudener Straße. Er hatte eine Leistungsstärke von 1,5 kW , 1927 wurde sie auf 5 kW erhöht. Aufgrund des schnellen Fortschritts der Radiotechnik entschied man sich in der Hälfte der 30er Jahre die Leistungsstärke des Senders in Gleiwitz zu erhöhen. Zu diesem Zweck war der Bau eines neuen Senders nötig, der aufgrund technischer Faktoren in einer bestimmten Entfernung zu dem aktiven Radiosender stehen musste. Von der alten Radiostation aus, in der seit dem Bau des neuen Senders nur noch die Tonstudios Platz fanden, entstanden weiterhin Lokalsendungen. Wie die Sendungen des Breslauer Radiosenders, wurden sie über das Fernmeldekabel zur neuen Radiostation geschickt.

Im Inneren des Holzturms wurde eine Vertikalantenne platziert. An seiner Spitze wurde eine künstliche Verlängerung des Kabels installiert, um die Hälfte der Wellenlänge zu erreichen und somit günstigste Bedingungen für eine Sendung zu gewährleisten. Tagsüber empfing man die Wellen über mehrere Kilometer. Nachts empfing man die Radiowellen aus Gleiwitz, dank dem Abprall an der Ionosphäre, in ganz Europa und sogar in Südamerika. Der Radiosender Gleiwitz leitete Sendungen des Breslauer Senders und Lokalsendungen weiter. Im historischen Radiosender bewahrte man viele alte Apparaturen auf, u.a. ein komplettes Kühlungssystem für Senderöhren mithilfe von destilliertem Wasser.

Direkt nach dem Krieg strahlte der Sender das Programm des Radios Kattowitz aus, in den Jahren 1950-1956 übertrug er Radio Free Europe und andere westliche Radiosender. Von 1957 bis 2002 wurden im Hauptgebäude Rundfunksender und elektronisches Zubehör für die Telekommunikation gebaut. Im Jahr 2002 kaufte die Selbstverwaltung der Stadt Gleiwitz das ganze Grundstück mit seinen Gebäuden auf. Seit 2005 ist der Radiosender Teil des Museums Gleiwitz. Das Objekt gehört zu der Straße technischer Kulturdenkmäler in der Woiwodschaft Schlesien.

Der Radiosender ist auch bekannt durch die Ereignisse, welche dort am 31. September 1939 statt fanden. An diesem Tag um 20 Uhr, drangen einige bewaffnete, in Zivil gekleidete SS-Männer in die Radiostation ein, welche zu dieser Zeit innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches und im Grenzgebiet zu Polen lag. Sie wurden von Alfred Naujocks angeführt und von Reinhard Heydrich, dem Leiter des Reichssicherheitshauptamtes, welcher direkt Adolf Hitler unterstand, beauftragt. Die Aktion war streng geheim. Die Angreifer übermannten die Besatzung des Radiosenders und sendeten folgende Nachricht auf polnisch: Achtung! Achtung! Hier ist Gleiwitz. Der Sender befindet sich in polnischer Hand. Der Rest der damals abgelesenen Rede wurde aufgrund technischer Probleme nicht gesendet. Im Sender ermordete man damals Franciszek Honiok, einen polnischen Schlesier, welcher heute als erstes Opfer des zweiten Weltkriegs gilt. Honiok sollte der Beweis für die polnischen Schuld sein. Am nächsten Tag sendete Hitler eine Rede, in welcher er den Beginn des Krieges mit, angeblich von polnischer Seite durchgeführten Grenzzwischenfällen rechtfertigte. Die Wahrheit über den Überfall kam erst bei den Nürnberger Prozessen ans Licht.