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Myslowitz PDF Drukuj

Myslovitz (poln. Mysłowice)


Autobahnabfahrt Nr. 350: Bielsko-Biała/Częstochowa/Łódź und weiter Straße S1 in Richtung Dąbrowa Górnicza, zur Straße 79 in Richtung Katowice.

(Anhalten gegenüber der Straße ul. Orląt Lwowskich im Bezirk Jęzor)


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Das erste Mal erwähnt wird die Stadt Myslovitz, in der das Magdeburger Stadtrecht galt, in  einem Dokument des Fürsten Nikolaus II. von Troppau, aus dem Jahre 1360.




Das Gebiet des heutigen Myslovitz war jedoch schon früher besiedelt worden. Die Stadt, zu deren Besitztümern auch die Dörfer Brynow, Zalenze, Bogutschütz, Schoppinitz, Rosdzin, Dzietzkowitz, Birkental und Brzenskowitz gehörten, wechselte häufig ihre Regenten. Unter anderem tauchen in der Herrschaftsfolge auch die Namen Thurzo, Salamon, Kamienski, Lipski oder die bekanntesten Namen: Mieroszewski und Sułkowski auf. Die Mieroszewskis stellten eine Erbordnung her, nach der das Erbe nicht unter den Nachkommen aufgeteilt werden konnte. Diese Ordnung hatte 161 Jahre (von 1678 bis 1839 ) bestand, bis man die Stadt an die Industriellenfamilie Tiele-Winckler verkaufte. Im Laufe ihrer Geschichte wechselte die Stadt mehrfach ihre nationale Zugehörigkeit. In den Zeiten aus denen das erste Dokument stammt, das Jahr 1360, gehörte die Stadt zum Königreich Böhmen. Später ging sie in die Herrschaft der Habsburger über, die hier bis in die 40er Jahre des 18. Jahrhunderts regierten. Zu Zeiten der Schlesischen Aufstände, einer Auseinandersetzung um Schlesien zwischen den Habsburgern und Preußen in den Jahren 1740 bis 1764, wechselte die Stadt wieder mehrfach den Regenten. Im Zuge des Friedens von Hubertusburg 1764, bei dem Österreich und Preußen einen Friedensvertrag unterschrieben, wurde Myslovitz, ebenso wie ganz Ober- und Niederschlesien, außer den Herzogtümern Teschen und Jägerndorf, dem Königreich Preußen zugesprochen. Nach einigen Jahrzehnten Ruhe wurde die Stadt Anfang des 19. Jahrhunderts gebrandschatzt, diesmal von den französischen Truppen, welche hier, nach dem Krieg zwischen Preußen und Frankreich 1806-1807 und den Niederlagen der Preußen bei Jena, Auerstedt und Friedland, in Myslovitz quartierten. Im Jahre 1846 richtete man eine Zugverbindung nach Breslau ein, ein Jahr später auch eine nach Krakau. Unter dem Einfluss der Volksunruhen und der Volksabstimmung vom 15. August 1919, schoss der deutsche Grenzschutz auf dem Platz vor der Zeche Myslovitz auf Bergarbeiter: es starben damals sieben Bergarbeiter, zwei Frauen und ein 13-jähriges Kind. Bei der oberschlesischen Volksabstimmung vom 20. März 1921, sprachen sich 56% der teilnehmenden Myslovitzer für einen Verbleib innerhalb der deutschen Grenzen aus, 44% für einen Anschluss an Polen. Trotzdem entschieden die Großmächte, dass Myslovitz an Polen abgetreten werden sollte. Die Stadt wurde in den Jahren 1922-1930 zum Sitz der Bergbauabteilung eines französischen Anwerbungsunternehmensm, das polnische Arbeiter zur Ausreise nach Frankreich suchte. Im Januar 1945 zogen die Truppen der sowjetischen und der polnischen Armee in die Stadt ein. Während seines Besuchs in Schlesien im Jahre 1972, war Fidel Castro auch in Myslovitz.


 


Besonders sehenswert:



1. Die Firma des Uhrmachers Gustav Becker stellte, im Auftrag der Reederei Hamburg-Amerika-Linie, eine spezielle Uhr her, welche die Zeit in 8 verschiedenen Zeitzonen anzeigte: London, Moskau, Delhi, Tokio, Honolulu, San Francisco, New York und Buenos Aires, man nannte sie die Myslovitzer Weltzeituhr. Der österreichische Uhrmacher Gustav Becker berechnete die Lebensdauer der Konstruktion auf 500 Jahre. Die Uhr ist aus Bronze gefertigt und hat neun Ziffernblätter aus Porzellan. Das Hauptziffernblatt zeigt die mitteleuropäische Zeit an, die übrigen, kleineren, welche das große Ziffernblatt in einem Kreis umringen, zeigen die anderen Zeitzonen und in der Mitte tragen sie die Namen der jeweiligen Städte. Das Hauptziffernblatt hat einen Meter Durchmesser und in der Mitte wurde die Aufschrift Myslovitz platziert. Alle neun Ziffernblätter werden mithilfe eines Pendels und eines Gewichts bewegt - das war damals und ist noch heute ein Phänomen. Die antike Uhr zeigt exakt die richtige Zeit an. Sie wurde in der Uhrmacherwerkstatt von Siegfried Weiss in der Plesser Straße 4 (heute ulica Grunwaldzka) in Myslovitz ausgestellt. Die Stadt, welche damals an der Grenze zu drei Teilungsgebieten lag, war damals Emigrationszentrum. Die Uhr zeigte die Zeit der einzelnen geografischen Zonen an. Die Menschen, welche ihr Ticket nach Argentinien, oder in die USA, in der Filiale der Firma kauften, konnten dank der Uhr die Uhrzeit ihres Zielortes bestimmen. Diese Uhr ist ein einzigartiges Ausstellungsstück, vor allem aber ist sie ein Symbol für die Zeiten der Arbeitsmigration im Dreikaisereck, während der Myslovitz Ausgangspunkt für Millionen Migranten aus ganz Europa war. Myslovitz war damals eine Metropole, wie etwa Krakau oder Warschau. Der Legende zufolge soll es noch eine zweite Uhr der Firma Becker gegeben haben. Diese zweite Uhr soll jedoch für Hamburg, die Endstation der Zuglinie von Myslovitz, die massenhaft Migranten aus Mittelost- und Südosteuropa beförderte, bestimmt gewesen sein. Die Legende wird durch den Fund einer fast identischen Uhr in den USA, welche sich im Besitz eines Sammlers befindet, teilweise bestätigt. Die im Schaufenster ausgestellte Weltzeituhr wurde vermutlich zunächst von der Uhrmacherwerkstatt von S.Weiss zu Werbezwecken genutzt. Etwa um 1925 wurde der Laden samt der Uhrmacherwerkstatt von Władysław Garcarzyk gekauft und blieb bis 1945 in seinem Besitz. Der nächste Besitzer des Ladens und der Werkstatt wurde Wacław Budziński, doch die Uhr wurde von der damaligen Gemeinde übernommen. Dank der Bemühungen einer Gruppe von Bewohnern und des Direktors des Myslovitzer Stadtmuseums, bekam man die Uhr zurück. Am 12. April 2007 wurde sie an das Myslovitzer Stadtmuseum übergeben, wo sie restauriert und gewartet wurde. Derzeit befindet sie sich in einer speziellen Vitrine, in der man das Kunstwerk von allen Seiten betrachten kann, die es vor Berührung schützt und die geeignete Temperatur und Luftfeuchtigkeit sicher stellt. Seit dem 10. Januar 2008 ist die Uhr offiziell Teil der Dauerausstellung des Stadtmuseums Myslovitz.


2. Der Fluss Przemsa begrenzt die Stadt Myslovitz. Durch das Zusammentreffen der Grenzen der drei Länder, welche im 18. Jahrhundert die Teilung Polens bewirkten, wurde der Fluss zu einem bedeutenden historischen Ort. Die Stelle, an der die Schwarze Przemsa und die Weiße Przemsa zusammenfließen, wird bis heute Dreikaisereck genannt. An dieser Stelle liefen zwischen 1846 und 1915 die Grenzen von drei europäischen Großmächten zusammen: Russland, Preußen und die von allen drei Teilungsmächten kontrollierte Republik Krakau [auch Freie Stadt Krakau]. Schließlich verliefen hier, nach der Annexion des letzten Gebiets durch das Kaisertum Österreich in den Jahren 1846-1871, die Grenzen zwischen dem Königreich Preußen, dem Kaisertum Österreich (seit 1807 Österreich-Ungarn) und dem Russischen Kaiserreich. Die Bezeichnung Dreikaisereck entstand im Jahre 1871, als der deutsche Nationalstaat entstand und diese Stelle, welche weiterhin an der Grenze zum Königreich Preußen lag, nun gleichzeitig an das Deutsche Kaiserreich grenzte. Die Grenzen verliefen entlang der Flüsse Weiße Przemsa, Schwarze Przemsa und Przemsa. Heute gehören die Gebiete zu den Städten Myslovitz ([poln. Mysłowice - die Stadtteile Brzęczkowice und Słupna) und Sosnowitz ([poln. Sosnowiec die Stadtteile Modrzejów und Jęzor). In den Zeiten, in denen der Begriff verwendet wurde, waren die Grenzorte Preußens Brzęczkowice/Słupna, auf russischer Seite Modrzejów und auf österreichischer Seite Jęzor (damals noch Stadtteil von Jaworzno). Man muss hinzufügen, dass obwohl sich an diesem Punkt die Grenzgebiete dreier Staaten trafen, die sich an den polnischen Teilungen beteiligten, dies nicht bedeutet, dass dieses Gebiet schon vor den Teilungen nur polnisch war. Denn das Gebiet westlich der Przemsa, gehörte schon vor der ersten polnischen Teilung zu Preußen. Im Jahre 1907 baute man am Dreikaisereck einen Turm, der damals umgangssprachlich Bismarck-Denkmal oder Bismarck-Turm genannt wurde. Er war 20 Meter hoch und hatte an der Spitze eine Aussichtsplattform. Große Steinblöcke und dicke Mauern symbolisierten die preußische Macht. Man konnte über eine Treppe nach oben steigen. Touristen sahen so, wie weit der deutsche Staat reichte. Bei schönem Wetter konnte man Krakau und sogar die Tatra sehen. Natürlich waren Ausflüge dorthin bei deutschen Touristen beliebt. Die Bilder auf deutschen Prospekten zeigten häufig das russische Teilungsgebiet, trugen aber nur die Aufschrift Dreikaisereck. Bis zum Ende des ersten Weltkriegs war dieser Platz in fast ganz Europa bekannt. Den damaligen Zeitungen zufolge, kamen wöchentlich 3000 bis 8000 Touristen. Auf dem Fluss schwammen zwei kleine Ausflugsdampfer und man konnte die Aussicht vom Bismarckturm bewundern. Der Turm wurde 1937 letztendlich auf Anweisung des schlesischen Woiwoden Michał Grażynski abgerissen. Faktisch bestand die Grenze nicht mehr, seit Kongresspolen durch Deutschland und Österreich-Ungarn besetzt wurde. Formal verschwand das Dreikaisereck im Jahre 1918. Nach dem zweiten Weltkrieg geriet dieser Platz langsam in Vergessenheit. Heute erinnert ein Gedenk-Obelisk an diese Stelle, auf dem steht: Obelisk zur Erinnerung an die frühere Teilung Europas und ihre Vereinigung. Die Behörden von Myslovitz und die Leitung des Myslovitzer Museums bereiten ein Programm zur Revitalisierung des Dreikaiserecks vor.